Der gleiche Gott?

Haben wir alle den gleichen Gott? In Gesprächen mit Menschen aus verschiedenen Religionen und Konfessionen höre ich immer wieder die Ansicht, dass wir doch alle den gleichen Gott haben. Stimmt das?

Ich glaube, dass dies in mancher Hinsicht stimmt, aber nicht in jeder. Es stimmt, dass wenn es einen Gott gibt, der Erde und Himmel und alles, was dazu gehört, erschaffen hat, dann kann das nur der gleiche Gott sein. Und deshalb, wenn wir Menschen, diesen einen Gott suchen, der Himmel und Erde erschaffen hat, dann suchen wir den gleichen Gott. In dieser Hinsicht glauben wir ob Moslem oder Christen oder als Anhänger einer andern Religion an den gleichen Schöpfergott.

Nun aber beschreiben diese verschiedenen Religionen diesen einen Gott anders. So zum Beispiel beschreibt der Koran diesen einen Gott anders als die Bibel ihn beschreibt, nicht in jedem Punkt, aber in manchen nicht unwesentlichen Punkten.

Es gibt ganz wesentliche Punkte, wo der Koran mit der Bibel übereinstimmt. So zum Beispiel, dass Gott Himmel und Erde geschaffen hat und dass der Mensch deshalb vor diesem Gott mit seinen Handlungen verantwortlich ist und von ihm nach dem Leben auf dieser Erde gerichtet werden wird. Eine andere wichtige Gemeinsamkeit ist die sogenannte „Goldene Regel“. In der Bibel formuliert sie Jesus in der Positivform: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das sollt ihr ihnen tun.“ Im Koran und in andern Weltreligionen finden wir sie in der Negativform: „Alles, was ihr nicht wollt, dass euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen nicht tun.“ Jesus sagt sogar von dieser „Goldenen Regel“, dass dies die Zusammenfassung von dem ganzen Gesetz und den Propheten ist, mit andern Worten vom ganzen Alten Testament.

Aber es gibt auch ganz wesentliche Punkte, wo sich Koran und Bibel in der Beschreibung dieses Gottes widersprechen. So sagt Jesus in der Bibel ganz klar, dass er Gottes Sohn ist und sagt: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“ (Johannes 3.36) Und auch: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater (Gott) denn durch mich.“ (Johannes 14,5). Eine ganz zentrale Aussage im Koran ist, dass Gott keinen Sohn hat.

Oft höre ich auch, dass die verschiedenen Religionen nur unterschiedliche Seiten von dem einen Gott beschreiben. Als Beispiel wird in unserer Region das Stockhorn angegeben. Auf der Nordseite hat das Stockhorn fast senkrecht abfallende Felsen und auf der andern Seite ist es eine Weide für Schafe. Die beiden Seiten sehen total verschieden aus. Und wenn jemand die Südseite beschreibt, dann steht das in einem krassen Gegensatz zu einer Beschreibung von der Nordseite. Und trotzdem es bleibt der gleiche Berg. Dürfen wir dies Bild gebrauchen um zu beweisen, dass es sich bei der unterschiedlichen Beschreibung des einen Gottes einfach um verschiedene Eigenschaften des einen Gottes handelt?

In der Bibel finden wir die Beschreibung von einem Gott, der zornig sein kann aber auch die Beschreibung von einem Gott, der sehr geduldig und gütig ist. Und wir Menschen haben oft Mühe, dies zusammen zu bringen. Doch wenn wir ein vollständiges Bild von Gott haben möchten, dann ist es wichtig, dass wir diese verschiedenen Seiten von Gott, die uns die Bibel offenbart, berücksichtigen. In diesem Sinne können wir das Bild vom Stockhorn auf Gott übertragen.

Aber dort, wo sich die Beschreibungen der verschiedenen Religionen und Konfessionen von diesem einen Gott, diametral widersprechen, wie dies wie bereits gesehen der Fall ist bei der Lehre des Korans, dass Gott keinen Sohn hat und der Lehre der Bibel, dass Jesus der Sohn Gottes ist und der einzige Weg, der zum Vater führt, ist es widersinnig zu behaupten, dass dies nur verschiedene Aspekte des einen Gottes sind. Das ist, um zum Bild des Stockhorns zurück zu kehren, wie wenn einer die Nordseite als einen Felsen beschreibt und der andere die Nordseite als Schafweide. Da können schlichtwegs nicht beide Behauptungen wahr sein. Wenn jemand das Stockhorn auf der Nordseite als Schafweide beschreibt, dann kann es nicht das gleiche Stockhorn sein.

Und genau so wenig, kann es sich bei dem Gott, den die Bibel beschreibt um den gleichen Gott handeln, den der Koran beschreibt. Entweder hat Gott einen Sohn, der der einzige Weg zum Vater ist, oder Gott hat keinen Sohn. Es kann unmöglich beides wahr sein.

Und was ist nun wahr? Der Koran hat den Anspruch, die Offenbarung des einen wahren Gottes zu sein? Und die Bibel hat diesen Anspruch auch. Und wiederum: Nur eine Offenbarung kann wahr sein.

Nun, wie können wir herausfinden, welche Offenbarung die Richtige ist? Das ist letztlich eine Glaubensfrage, die jeder für sich selber beantworten muss. Und dies ist nur möglich, wenn wir einander die Freiheit lassen und nicht versuchen weder mit Druck machenden Worten noch mit Waffengewalt oder irgendwelchen manipulativen oder dominierenden Methoden, andern den Glauben aufzuzwingen.

Gott hat uns einen Verstand gegeben und wir dürfen diesen Verstand auch bei dieser Frage gebrauchen. Wir können den Koran und die Bibel lesen. Wir können die Geschichte der Entstehung dieser beiden Bücher miteinander vergleichen. Ein Moslem, der von der Wahrheit des Korans überzeugt ist, muss keine Angst haben, die Bibel zu lesen, noch muss ein Christ, der von der Wahrheit der Bibel überzeugt ist, Angst haben, den Koran zu lesen.

Ich glaube, dass der eine wahre Gott sich freut, wenn wir ihn von Herzen suchen. Wir dürfen ihn auch bitten, sich uns persönlich zu offenbaren. Der wahre Gott freut sich, wenn wir die Wahrheit suchen. Die Bibel sagt, dass er sich finden lassen will, von jenen, die ihn suchen.

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